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«Die Frage ist nicht, ob Zürich, St.Gallen oder München stark sind – wahre Stärke entsteht durch die Verbindung»

Rund 1100 technologieorientierte Startups sind in den letzten 25 Jahren zwischen München, St.Gallen, Zürich und Lausanne entstanden. Was macht diese «Alpine Achse» als Innovationsraum stark – und was könnte daraus noch entstehen? Darüber diskutieren HSG-Entrepreneurship-Professor Dietmar Grichnik, Investor Andreas Göldi und die Startup-Gründer:innen Lena-Marie Pätzmann und Johannes Aicher.
Zusammenfassung KI-Zusammenfassung
Veröffentlicht am: 08.10.2026
Urs-Peter Zwingli

Dietmar Grichnik, am START Summit 2026 in St.Gallen war der Begriff «Alpine Achse» sehr präsent - Startups, Studierende, Politiker:innen aber auch Sie und Investor:innen sprachen davon. Was beschreibt diese Idee? 

Dietmar Grichnik: Die «Alpine Achse» ist zunächst eine neue Erzählung über einen Innovationsraum, der geografisch nicht exakt definiert ist. Er reicht von Lausanne über Zürich und St.Gallen bis nach München und teilweise weiter nach Grenoble, Wien und Mailand. Entlang dieser Achse finden sich Weltklasseuniversitäten wie beispielsweise die EPFL, die ETH, die TUM und die HSG - und damit verbunden ein starkes Ökosystem für Technologieentwicklung. Konkret sind in der Region seit dem Jahr 2000 rund 1100 Deeptech-Startups, darunter viele Unicorns, entstanden. Die Stärken der Region existieren also schon. Dass der EuroCity München–St.Gallen heute noch immer drei Stunden braucht, zeigt gleichzeitig, dass wir es Achse nennen, auf der wir aber noch nicht überall mit Hochgeschwindigkeit fahren. 

Andreas Göldi, Sie haben in Europa und den USA Unternehmen gegründet und investieren heute in technologiegetriebene Startups. Wie wichtig ist die räumliche Nähe für einen Innovations- und Wirtschaftsraum? 

Andreas Göldi: Innovation hat sich historisch immer in geografisch dichten Regionen konzentriert. Das Silicon Valley und Boston sind gute Beispiele. Dort gibt es führende Universitäten, Unternehmen, Kapital und Talente auf engem Raum. Innerhalb der Alpinen Achse gibt es seit langem hervorragende Forschung. So wurde beispielsweise der Grundstein für das Internet am CERN in Genf gelegt, doch kommerzialisiert haben die Idee dann US-Unternehmen. Das lag auch daran, dass die Communities innerhalb der Achse und ganz Europa zu wenig zusammengearbeitet haben. Noch in den 1990er-Jahren, als ich an der HSG studierte, haben HSG- und ETH-Angehörige kaum miteinander gesprochen. Das ändert sich nun. Viele Partner aus Forschung, Politik und Wirtschaft haben erkannt, dass die Frage nicht lautet, ob Zürich, St.Gallen oder München für sich genommen stark sind. Die wahre Stärke entsteht durch die Verbindung. 

«Der Grundstein für das Internet wurde am CERN in Genf gelegt, doch kommerzialisiert haben die Idee dann US-Unternehmen. Das lag auch daran, dass die Communities innerhalb Europas zu wenig zusammengearbeitet haben.»
Andreas Göldi, Startup-Investor und -Gründer

Zu den Personen

Johannes Aicher ist Co-Gründer und CEO von Avientus, einem ETH-Spin-off, das autonome Transportdrohnen entwickelt. Aicher studierte an der ETH, wo er neben dem Studium beim Bau eines elektrischen Rennwagens mitarbeitete. Avientus arbeitet an Logistiklösungen für schwer zugängliche und anspruchsvolle Einsatzgebiete und ist inzwischen auch im europäischen Verteidigungssektor aktiv. Avientus nahm 2025 am Förderprogramm HSG START Accelerator in St.Gallen teil. 

Andreas Göldi ist Partner beim Wagniskapital-Investor b2venture. b2venture investiert vor allem in technologiegetriebene europäische Startups und vernetzt Gründer:innen mit einer Community von hunderten Angel Investors. Göldi studierte an der HSG und gründete 1995 Namics, heute unter anderem Namen eine der führenden Digitalagenturen der Schweiz. Später gründete und entwickelte er mehrere Softwareunternehmen in den USA. 

Andreas Göldi ist Partner beim Wagniskapital-Investor b2venture. b2venture investiert vor allem in technologiegetriebene europäische Startups und vernetzt Gründer:innen mit einer Community von hunderten Angel Investors. Göldi studierte an der HSG und gründete 1995 Namics, heute unter anderem Namen eine der führenden Digitalagenturen der Schweiz. Später gründete und entwickelte er mehrere Softwareunternehmen in den USA. 

Lena-Marie Pätzmann ist Co-Gründerin und CEO von Sitegeist Robotics. Das Startup entwickelt teilautonome Bauroboter. Diese sollen gefährliche, gesundheitsschädigende und aufwändige Arbeiten für den Menschen übernehmen und so Sicherheit und Effizienz steigern. Pätzmann studierte und doktorierte an der HSG und war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TUM. Sitegeist Robotics hat kürzlich mit einem Bauroboter in einem AUDI-Werk die erste Tunnelsanierung umgesetzt.