Re-interpreting Freedom

Freiheit gilt als eine der zentralen Errungenschaften der Moderne – und zugleich als eine ihrer grössten Herausforderungen. Die aktuelle Sonderausgabe von HSG FOCUS widmet sich deshalb einem Thema von grosser gesellschaftlicher Relevanz: der Frage, wie Freiheit im 21. Jahrhundert neu interpretiert werden kann. Grundlage der Ausgabe ist die Arbeit des ersten Jahrgangs des St.Gallen Collegiums, das Forschende und Denkerinnen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenbrachte.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Freiheit weltweit unter Druck geraten ist. Politische Polarisierung, geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheit und technologische Umbrüche stellen liberale Demokratien vor grundlegende Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund untersuchten die Fellows des Collegiums, wie individuelle Autonomie, politische Teilhabe und gesellschaftliche Verantwortung unter veränderten Bedingungen erhalten und weiterentwickelt werden können.
Im Zentrum der Ausgabe steht die Überzeugung, dass Freiheit nicht durch einfache Antworten oder ideologische Gewissheiten gesichert werden kann. Der Aufmacherbeitrag von Wolfram Eilenberger und Christoph Frei zeigt, wie produktiver Dialog zwischen unterschiedlichen wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Perspektiven neue Denk- und Handlungsräume eröffnet. Mit der Zukunftsvision des Inselstaats «Toiva 2050» entwerfen die Autorinnen und Autoren ein Gedankenexperiment, in dem alternative Formen des Zusammenlebens und der Freiheit erprobt werden.
Mehrere Beiträge greifen historische Beispiele auf, um aktuelle Entwicklungen besser zu verstehen. Wolfram Eilenberger deutet Venedig als Quelle einer freiheitlichen europäischen Tradition, deren Potenzial bis heute nicht ausgeschöpft ist. Andreas Lingg zeigt wiederum am Niedergang der Republik Venedig, wie der Rückzug von Eliten aus öffentlicher Verantwortung Innovationskraft, politische Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Zukunftsperspektiven schwächen kann.
Andere Autorinnen und Autoren richten den Blick auf die wirtschaftlichen Voraussetzungen von Freiheit. Annette Kehnel liest den Mythos von König Midas als Warnung vor einer Kultur grenzenloser Gewinnorientierung und hinterfragt die Vorstellung, materieller Wohlstand führe automatisch zu mehr Freiheit. Tanja A. Gonzalez untersucht die Rolle der Kapitalmärkte und argumentiert, dass wirtschaftliche Freiheit nur dann wirksam wird, wenn echte Teilhabe an wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen möglich ist.
Einen kritischen Blick auf die Gegenwart liberaler Demokratien wirft schliesslich Arpad Szakolczai. Er hinterfragt die Grundannahmen des Neoliberalismus und analysiert, wie Medienkonzentration, politische Macht und wirtschaftliche Interessen die Freiheit des öffentlichen Diskurses beeinflussen.
Die Beiträge der HSG FOCUS-Ausgabe machen deutlich: Freiheit ist weder ein statischer Zustand noch eine selbstverständliche Errungenschaft. Sie verlangt Verantwortung, Beteiligung und die Bereitschaft, gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitzugestalten. Gerade in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche liefert das St.Gallen Collegium wichtige Impulse für die Zukunft von Demokratie, Wirtschaft und Gesellschaft.

YouTube Video

Palantir und die Schweiz – Zwischen Daten und Macht (2026, SRF)

Eine gut recherchierte Reportage von SRF über die Bemühungen von Palantir, die Schweizer Regierung mit KI-Tools auszustatten (Ich wurde für diese Dokumentation interviewt).

Buch

Thomas Mann: Death in Venice (1913)

Die Ur-Novelle – über die Lebensfreude und deren Fehlen am schönsten Strand der Welt.

Buch

E.F. Schumacher: Small is Beautiful. Economics as if People Mattered (1973)

Schumacher war Chefvolkswirt und Berater des Britischen National Coal Board, dem größten Energiekonzern des Landes, reiste 1955 als Wirtschaftsberater nach Burma, und kam dort ins Fragen: Ist die reichste Gesellschaft jene, die am meisten produziert – oder jene, die am wenigsten braucht, um gut zu leben? Sein Vorschlag: Buddhist Economics statt Midas Touch. Pflichtlektüre.

Buch

August Cole / P. W. Singer: Burn-In (2020)

Das Buch «Burn-In» von August Cole und P. W. Singer ist ein rasanter Thriller, der auf gründlich recherchierter Fiktion zu den Themen Sicherheit, Konflikt und KI basiert.

Buch

Simone Weil: Venice Saved (1940)

Das einzige Theaterstück der Philosophin Simone Weil. Über die rettende Kraft der Schönheit in dunklen Zeiten.

Film

Andrei Tarkovsky: Stalker (1979)

Nach dem Roman «Piknik am Wegesrand» von Arkadi und Boris Strugatski. Die Zone, die aus unbekannten Gründen auf der Erde entstanden ist, zieht die Aufmerksamkeit durch unerklärliche Phänomene auf sich, die dort auftreten. Es hat sich das Gerücht verbreitet, dass es im Zentrum der Zone etwas gibt, das einem Menschen alles gewährt, was er sich wünscht. Doch ein Aufenthalt in der Zone ist tödlich, weshalb sie streng bewacht wird. Dorthin begeben sich der Schriftsteller und der Professor, jeder aus seinen eigenen Gründen; der Stalker führt sie zum geheimnisvollen Zentrum, da er die Zone spürt und versteht.

Buch

Georg Luck (Hg.): Die Weisheit der Hunde. Texte der antiken Kyniker in deutscher Übersetzung (1997

Die Kyniker waren die Vertreter der antiken Punk-Philosophie – sie lebten auf der Straße, besaßen nichts, und hielten dem Midas ihrer Zeit den Spiegel vor. Diogenes, der im Fass lebte und Alexander den Großen bat, ihm doch bitte aus der Sonne zu gehen. Hier findet man die O-Töne. Scharf, witzig, hochaktuell.

Buch

Cristina Baldacci et al.: Venice and the Anthropocene: An Ecocritical Guide (2022)

Voller interessanter Einblicke in die Lagunenstadt als vorbildliches Modell für ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit – und, ja, auch für Nicht-Nachhaltigkeit.

Buch

Kazuo Ishiguro: Klara and the Sun (2021)

Für eine Auseinandersetzung mit der Zukunft von KI, autonomer Robotik und der menschlichen Natur empfehle ich den Roman des Nobelpreisträgers Kazuo Ishiguro: Klara and the Sun.

Podcast

CII's Podcast: The Voice of Corporate Governance (seit 2026)

Eine leicht zugängliche Möglichkeit, Debatten über Corporate Governance zu verfolgen – durch Gespräche mit Experten, die fachliche Vorschriften mit ihren praktischen Auswirkungen in der Praxis verknüpfen.

Serie

Katja Meier: $HARE (2025)

Lena Corbyn erbt ein Bergbauimperium – und beschließt, es von innen heraus zu sprengen. Was passiert, wenn jemand den Midas Touch bewusst verweigert? Die Schweizer Serie spielt solch ein Szenarium durch. Spannend. Preisgekrönt, von Forbes und The Guardian empfohlen, executive produced von Rhea Seehorn (Better Call Saul). Unbedingt ansehen.

Buch

Alex Edmans: Grow the Pie (2020)

Eine aktuelle Auseinandersetzung mit der Unternehmensverantwortung. Fesselnd geschrieben und mit vielen Beispielen aus der Praxis.

Buch

Aldous Huxley: Ape and Essence (1948)

Huxleys dystopischer Klassiker ist eine albtraumhafte Vision vom Schicksal der Menschheit in einer Welt nach einem Atomkrieg.

Buch

Vaughan Hart / Peter Hicks: Sansovino's Venice (2017)

Die Zahl an Publikationen über die Krise Venedigs im 16. Jahrhundert ist gigantisch. Deshalb an dieser Stelle weniger eine Literatur-, denn eine Reiseempfehlung. Die alte kommerzielle Pracht und Stärke Venedigs, die führende Rolle der Stadt insbesondere in den Bereichen des Fernhandels und Kunsthandwerks, ist noch heute hautnah erlebbar. Vom Fondaco dei Tedeschi, über die seinerzeit auch St. Galler Waren vertrieben wurde, über Murano, dessen Glasprodukte damals bis in die neue Welt transportiert wurden, bis zum Arsenale, eine der ersten protoindustriellen Anlagen Europas. Dazu als Begleitlektüre sei der Stadtführer von Francesco Sansovino empfohlen, erschienen 1581, in einer englischen Neuausgabe von Vaughan Hart und Peter Hicks erhältlich. Dieses Buch wurde auch mit der Absicht geschrieben, in Angesicht der immer grösseren Risse im politischen und kulturellen Gefüge der Republik ein Bild der Einheit zu beschwören. Wer den damit adressierten Bruchlinien folgen möchte, dem sei ein anschliessender Ausflug auf das Festland und der Besuch einer Villa, den damals neuerrichteten Landsitzen venezianischer Patrizier, sehr ans Herz gelegt. Beispielhaft sei hier die Villa Barbaro in Maser genannt, geplant und gebaut von dem berühmten Architekten Andrea Palladio. Sie steht exemplarisch für die Zerrissenheit der damaligen Oberschicht. Ihre Auftraggeber, die Brüder Marc‘ Antonio und Daniele Barbaro, beschäftigten sich ihr ganzes Leben in Briefen und Büchern mit dem Spannungszustand von Land und Lagune, privatem Idyll und öffentlichen Angelegenheiten, Ab- und Hinwendung.

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17.07.2026
The Lobito Corridor shows how digitization is shaping critical minerals competition
Wirtschaft

The Lobito Corridor shows how digitization is shaping critical minerals competition

The Lobito Corridor shows how digitization is shaping critical minerals competition Expert comment thilton.drupal 17 July 2026 The railway from Angola to the Democratic Republic of the Congo and Zambia is a global focal point of the race for critical minerals. But the digitization of mineral supply chains will be crucial to achieving genuine economic transformation in the region. Two recent major investment announcements have refocused attention on the Lobito Corridor, a Western-backed infrastructure initiative centred on a railway linking Lobito on Angola’s Atlantic coast to the inland resource-rich areas of the Democratic Republic of the Congo (DRC) and Zambia.On 3 July, the US International Development Finance Corporation and the Development Bank of Southern Africa secured a $753-million package to rehabilitate and upgrade the 1,300-km single-track railway from Lobito to the DRC border, known as the Lobito Atlantic Railway. On 10 July, the DRC government approved a partnership with Portuguese construction company Mota-Engil for a complete rehabilitation of the railway line from Angola’s border to the copper and cobalt producing regions in the DRC. These moves are part of wider geopolitical competition between the US (and its European partners) and China – the dominant international presence in the region – over infrastructure, mineral production and development opportunities. In this context, the railway has become the centrepiece of a potential regional mining ecosystem that could economically transform Africa’s strategic Copperbelt.  — Railway lines are approximate and based on a combination of maps from the Lobito Corridor Investment Promotion Authority and the European Commission, accessed online. Base map made with Natural Earth and World Bank data.  But for this regional mining ecosystem to become integrated across borders and achieve genuine economic transformation, it will need to be digitized. Digitization has increasingly become a vital and under-appreciated feature of the mining sector. Data systems – such as online geological databases, traceability tools and transparency portals – and mining cadastre systems (online land records of mining rights) are fundamental to achieving regional mining ambitions. However, they present a new and distinct set of governance challenges that span the life of a mine: in particular, what data is needed and how is it collected? Who owns it, where is it stored, and who has access to it? Digitized records and their challengesThe digitized geological records of the DRC are a source of value, causing competition over owning and accessing them. This can be seen in the recent disagreement between the Belgian government and KoBold, a US company backed by Jeff Bezos and Bill Gates, over who should digitize the colonial-era geological records on the DRC that are being kept in a Belgian museum. Belgium has refused KoBold access to the museum’s archives. The case demonstrates how geo-economic competition and ensuing public-private tensions are catalysing ongoing debates on data ownership and management. Angola, the DRC and Zambia are implementing online cadastre systems that list land records of mining rights. In principle, these systems should reduce overlaps and simplify the allocation of rights, while being more transparent to help prevent corruption and give investors confidence. However, several challenges have emerged.  Bad inputs result in misleading information flows. Firstly, digitized systems are still corruptible. Whether containing geological data or information on licenses and rights, digital systems can be corrupted. In some instances, digitization makes this easier than when information is stored in hard copy. This has led some mining companies to lose confidence in digitized systems in the region, due to changes allegedly being made overnight to concession ownership, opaque back end controls and limited audit trails. Secondly, these systems often depend on human capacity that does not yet fully exist. At the DRC Mining Week at Lubumbashi in June, Chatham House heard how digital cadastres had often been operated by staff with limited experience working with computers. The effectiveness of a data system relies on a simple principle – what comes out is only as good as what goes in. Bad inputs result in misleading information flows. Digitization without capacity and safeguards therefore risks simply re encoding existing power imbalances into a new format.Tracing requires trust and interoperabilityThe DRC and its neighbours have been the focus of several international legal and regulatory requirements to report on minerals provenance, or tracing minerals back to their origin. This is due to the link between conflict and minerals, especially in the east of the country. The DRC’s state-owned certification agency (CEEC) has launched an E-trace digital platform to track and certify minerals across the value chain, ostensibly to ensure responsible sourcing.However, there are notable differences between what international markets are asking for, what is actually feasible, and what is in the best interests of mining-dependent communities and producing states.  The World Today Related work Angola’s critical mineral express Consumers and regulators increasingly want mechanisms that can trace a material all the way back to where it came out of the ground to provide assurance on provenance and responsible production. For the DRC, traceability is often understood primarily as verification of mineral deposits and exports: ensuring that reported volumes and qualities match what is actually being taken out of the country and transported along the Corridor. The DRC’s emphasis reflects genuine concerns about misreporting, leakage and illicit flows. However, it stops short of a fuller, mine to manufacturer conception of traceability that would follow material all the way through the supply chain. Similarly, transparency systems are often limited by what companies can easily measure and are willing to disclose. Reporting formats also differ across firms and jurisdictions, making it difficult to assemble a coherent picture of corridor wide performance. Trustworthy, interoperable data systems are essential.  How these systems talk to each other, what they measure, and who controls them will heavily influence whether the Lobito Corridor becomes a coherent, credible space for investment and accountable development.More unified data management requires interoperable systems and standards, agreed protocols for data ownership and access, and shared understandings of what traceability and transparency should encompass. Trustworthy, interoperable data systems are essential. Entry points for development partnersDigital infrastructure should in theory constitute the backbone of effective data governance along the Lobito Corridor, turning physical infrastructure into an integrated ecosystem. Given Africa’s over-reliance on undersea cables, reinforcing inland connectivity should be a priority. However, the Corridor’s digital component has so far lagged behind. While it does feature in the long-term strategic vision for the Corridor, it has not been the focus of the recent wave of investment announcements or ongoing development partnerships. Meanwhile, the DRC recently signed a memorandum of understanding with Beijing for the construction of a 2100km fibre optic network along the Congo River. 

Chatham House

AI, the future of economic research and of the many-handed economist
Wirtschaft

AI, the future of economic research and of the many-handed economist

Globalisation has changed economic research profoundly, making it more comparable, more competitive, and thoroughly quantitative. This column argues that AI may unsettle this new order as thoroughly as globalisation unsettled the old one and discusses the technical and geopolitical mechanisms at work. One prediction can be made with high confidence: someone who wakes up thirty years from now is likely to recognise economics as little as someone who fell asleep thirty years ago and just woke up today.

Center for Economic Policy Research

16.07.2026
14.07.2026