Artikel

Editorial
«Unternehmertum ist weder eine Wissenschaft noch eine Kunst. Es ist eine Praxis.» Was Management-Forscher Peter Drucker 1985 schrieb, gilt heute umso mehr. Wer in Zeiten politischer und ökologischer Krisen und des KI-Wettlaufs ein Unternehmen gründen will, kann nicht einfach auf eine geniale Anfangsidee bauen. Er oder sie muss täglich lernen und zuhören, Geschäftsmodelle prüfen, vielleicht sogar verwerfen und Risiken eingehen. Das bezieht sich nicht auf eine hippe Startup-Nische, sondern ist gerade für die Schweizer Wirtschaft prägend: Über 99 Prozent der hiesigen Firmen sind KMU, gegründet und getragen von Unternehmer:innen.
Doch was macht die Schweiz stark für Unternehmensgründungen? Ein Faktor sind verdichtete und grenzüberschreitende Räume, in denen Innovation im Zusammenspiel von Unternehmen und Forschungsinstitutionen entsteht. Ein solcher Raum ist die «Alpine Achse» München-St.Gallen-Zürich-Lausanne-Grenoble. Startup-Gründer:innen, ein Investor und ein Forscher sind sich im Interview mit HSG FOCUS einig: Die Achse ist bereits stark, doch mit vertiefter Zusammenarbeit kann noch einiges entstehen. Wie stark sie ist, zeigt etwa der Fakt, dass die ETH Zürich, die TU München und die HSG zusammen an der Spitze eines kürzlich veröffentlichten Entrepreneurship-Rankings stehen. So wurden zwischen 2014 und 2024 rund 850 Startups von HSG-Angehörigen gegründet - ein Spitzenwert unter Hochschulen im DACH-Raum.
Die Reise eines dieser Startups begleiten wir in diesem HSG FOCUS in einem ausführlichen Text. Die HSG-Absolventen Michael Greger und Kristófer Reynisson gründeten 2025 NoxBlanc. Das Ziel: Die beste Matratze der Welt zu bauen, die in Hitzesommern die Gesundheit schützt und Athleten zu besserer Leistung verhilft. Die NoxBlanc-Geschichte zeigt: Um ein Startup aufzubauen braucht es eben Risikowillen, aber auch Gelassenheit und Ausdauer. Wo die Reise von NoxBlanc genau hinführt, ist bei Veröffentlichung dieser FOCUS-Ausgabe noch offen.
Um als Startup eine Geschäftsidee Investor:innen und Kund:innen näherzubringen, braucht es auch eine gute Geschichte. Doch übertreiben es manche Startups dabei massiv, wie ZHAW-Medienwissenschaftler und HSG-Gastdozent Marius Born in seinem Beitrag zeigt. Born gibt zudem konkrete Hinweise für Startup-Gründer:innen und Investor:innen, was beim Storytelling zulässig ist und wo man genauer hinschauen sollte.
Zudem stellen wir in diesem HSG FOCUS die jüngste Kohorte des Entrepreneurial Champions Programme von HSG Entrepreneurship vor – eines von diversen Programmen, mit denen die HSG Startups in verschiedensten Phasen stärkt und voranbringt.
Unternehmerisch ist auch dieses HSG FOCUS gedacht: In den folgenden Wochen und Monaten werden weitere Artikel und Videos zum Thema dazukommen. Wir laden Sie ausserdem dazu ein, in den Kommentarspalten zu debattieren und Fragen zu stellen.
In diesem Sinne: Start me up!