Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Geschwindigkeit von Innovation, sondern auch, wie Unternehmen gegründet werden, Geschäftsmodelle entstehen und wirtschaftlicher Wert geschaffen wird. Oliver Gassmann, HSG-Professor für Technologie- und Innovationsmanagement, zeigt fünf Entwicklungen auf, die sowohl die unternehmerische Praxis als auch die Forschung prägen.

1. Agentic AI: KI-Agenten können zunehmend selbstständig Aufgaben koordinieren, Entscheidungen vorbereiten und Lösungsansätze entwickeln. Innovation wird damit stärker zum Zusammenspiel von menschlicher und künstlicher Intelligenz.

2. Neue Geschäftsmodelle: Technologische Überlegenheit allein reicht nicht mehr aus. Entscheidend ist, wie Unternehmen mit neuen Technologien Wert schaffen und wirtschaftlich nutzen. Die Grenzen zwischen Produkten, Dienstleistungen und Plattformen verschwimmen.

3. Entrepreneurship im KI-Zeitalter: KI senkt die Hürden für Unternehmensgründungen. Einzelne Gründer können Aufgaben übernehmen, für die früher ganze Teams nötig waren. Kundenzugang, Geschwindigkeit und unternehmerisches Urteilsvermögen gewinnen dadurch an Bedeutung.

4. Innovationsökosysteme: Innovation entsteht zunehmend durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, Startups, Hochschulen und Kunden. Entscheidend wird, wie solche Netzwerke organisiert werden und wie die Beteiligten gemeinsam Wert schaffen.

5. Innovation unter Unsicherheit: Geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche und Nachhaltigkeitsanforderungen verlangen flexible Innovationsstrategien. Gefragt sind Unternehmen, die langfristig denken und sich zugleich rasch an veränderte Bedingungen anpassen.

Die fünf Trends zeigen, dass Innovation neu gedacht werden muss. Insbesondere KI könnte die Rollen von Menschen und Maschinen im Innovationsprozess grundlegend verändern. Für Unternehmen stellt sich damit nicht mehr nur die Frage, wie sie schneller innovieren, sondern auch, wie sie Innovation künftig organisieren.

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Fünf Trends, die Innovation und Entrepreneurship verändern

Innovation und Entrepreneurship befinden sich in einem fundamentalen Wandel. Neue Technologien, insbesondere künstliche Intelligenz, verändern nicht nur die Geschwindigkeit, mit der Innovationen entstehen. Sie verändern auch, wer innoviert, wie Unternehmen gegründet werden und wie wirtschaftlicher Wert geschaffen wird.
Zusammenfassung Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Geschwindigkeit von Innovation, sondern auch, wie Unternehmen gegründet werden, Geschäftsmodelle entstehen und wirtschaftlicher Wert geschaffen wird. Oliver Gassmann, HSG-Professor für Technologie- und Innovationsmanagement, zeigt fünf Entwicklungen auf, die sowohl die unternehmerische Praxis als auch die Forschung prägen.

1. Agentic AI: KI-Agenten können zunehmend selbstständig Aufgaben koordinieren, Entscheidungen vorbereiten und Lösungsansätze entwickeln. Innovation wird damit stärker zum Zusammenspiel von menschlicher und künstlicher Intelligenz.

2. Neue Geschäftsmodelle: Technologische Überlegenheit allein reicht nicht mehr aus. Entscheidend ist, wie Unternehmen mit neuen Technologien Wert schaffen und wirtschaftlich nutzen. Die Grenzen zwischen Produkten, Dienstleistungen und Plattformen verschwimmen.

3. Entrepreneurship im KI-Zeitalter: KI senkt die Hürden für Unternehmensgründungen. Einzelne Gründer können Aufgaben übernehmen, für die früher ganze Teams nötig waren. Kundenzugang, Geschwindigkeit und unternehmerisches Urteilsvermögen gewinnen dadurch an Bedeutung.

4. Innovationsökosysteme: Innovation entsteht zunehmend durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, Startups, Hochschulen und Kunden. Entscheidend wird, wie solche Netzwerke organisiert werden und wie die Beteiligten gemeinsam Wert schaffen.

5. Innovation unter Unsicherheit: Geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche und Nachhaltigkeitsanforderungen verlangen flexible Innovationsstrategien. Gefragt sind Unternehmen, die langfristig denken und sich zugleich rasch an veränderte Bedingungen anpassen.

Die fünf Trends zeigen, dass Innovation neu gedacht werden muss. Insbesondere KI könnte die Rollen von Menschen und Maschinen im Innovationsprozess grundlegend verändern. Für Unternehmen stellt sich damit nicht mehr nur die Frage, wie sie schneller innovieren, sondern auch, wie sie Innovation künftig organisieren.
Veröffentlicht am: 21.10.2026
Oliver Gassmann

Die HSG zählt im Bereich Forschung zu Innovation und Entrepreneurship weltweit zu den führenden Universitäten. Das zeigt ein kürzlich veröffentlichtes Forschungsranking. Dieser Text zeigt fünf Entwicklungen auf, die Innovation und Entrepreneurship sowie die Forschung dazu gerade verändern.

«Traditionell galt Innovation als genuin menschlicher Prozess, geprägt von Kreativität, Erfahrung und Intuition. Künftig werden KI-Agenten eigenständig vielversprechende Innovationen systematisch weiterentwickeln.»
Oliver Gassmann, HSG-Professor für Technologie- und Innovationsmanagement

1. Wenn künstliche Intelligenz selbst zum Innovator wird

Die wohl fundamentalste Veränderung entsteht durch sogenannte KI-Agenten. Während bisherige KI-Systeme primär Menschen bei ihren Aufgaben unterstützen, können agentenbasierte Systeme zunehmend selbstständig Ziele verfolgen, Entscheidungen vorbereiten, Experimente durchführen und Aufgaben koordinieren.

Damit verändert sich auch unser Verständnis von Innovation. Traditionell galt Innovation als genuin menschlicher Prozess, geprägt von Kreativität, Erfahrung und Intuition. Künftig werden KI-Agenten eigenständig neue Lösungsansätze entwickeln, tausende Varianten simulieren und vielversprechende Innovationen systematisch weiterentwickeln.

Für die Forschung stellt sich eine grundlegende Frage: Wie verändert sich Innovation, wenn nicht mehr ausschliesslich Menschen, sondern zunehmend auch intelligente Maschinen als Innovationsakteure auftreten?

Praxisrelevanz: Unternehmen müssen lernen, nicht nur KI-Werkzeuge einzusetzen, sondern ganze Innovationsprozesse neu zu organisieren. Dabei entstehen neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Menschen und autonomen KI-Systemen.

 

2. Innovation verschiebt sich vom Produkt zum Wertschöpfungssystem

Technologische Überlegenheit allein garantiert längst keinen wirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend ist zunehmend, wie Unternehmen mit neuen Technologien Wert schaffen und diesen wirtschaftlich abschöpfen.

Die Geschäftsmodellinnovation entwickelt sich deshalb zu einem zentralen Forschungsfeld. Besonders interessant ist derzeit, wie künstliche Intelligenz traditionelle Geschäftsmodelle verändert. Wenn beispielsweise KI-Agenten Dienstleistungen autonom erbringen, entstehen völlig neue Möglichkeiten der Leistungserstellung und Bepreisung.

Zugleich verschwimmen die Grenzen zwischen Produkten, Dienstleistungen und digitalen Plattformen. Unternehmen verkaufen zunehmend nicht mehr nur Produkte, sondern Verfügbarkeit, Leistung oder konkrete Ergebnisse.

Praxisrelevanz: Für etablierte Unternehmen wird die Fähigkeit, ihr eigenes Geschäftsmodell immer wieder infrage zu stellen, zu einer entscheidenden Kompetenz. Gerade die Schweizer Industrie verfügt hier über grosse Chancen, ihre technologischen Stärken mit neuen Geschäftsmodellen zu verbinden.

 

3. Gründen wird einfacher, Skalieren verändert sich

Künstliche Intelligenz senkt die Eintrittsbarrieren für Unternehmensgründungen erheblich. Aufgaben, für die früher ganze Teams erforderlich waren, können heute teilweise durch einzelne Unternehmerinnen und Unternehmer mit Unterstützung intelligenter Systeme übernommen werden.

Das betrifft die Softwareentwicklung ebenso wie Marktforschung, Produktdesign, Marketing oder administrative Prozesse.

Dadurch entsteht eine neue Generation von Start-ups, die mit deutlich weniger Kapital und Personal auskommen und dennoch internationale Märkte adressieren können.

Für die Entrepreneurship-Forschung ergeben sich spannende Fragen: Welche Ressourcen benötigen erfolgreiche Gründer künftig tatsächlich? Wie verändern sich unternehmerische Kompetenzen? Und welche Wettbewerbsvorteile bleiben bestehen, wenn technologische Fähigkeiten immer leichter zugänglich werden?

Praxisrelevanz: Der Zugang zu Kapital und Personal könnte für bestimmte Geschäftsmodelle an Bedeutung verlieren, während Geschwindigkeit, Kundenzugang, proprietäre Daten und unternehmerisches Urteilsvermögen wichtiger werden.

 

4. Wettbewerb findet zunehmend zwischen Netzwerken statt

Innovation entsteht immer seltener innerhalb der Grenzen eines einzelnen Unternehmens. Neue Lösungen entwickeln sich durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, Startups, Hochschulen, Technologieanbietern und Kunden.

Die Forschung beschäftigt sich deshalb intensiv mit Innovationsökosystemen und Plattformen. Dabei geht es nicht nur darum, Wissen auszutauschen, sondern gemeinsam neue Wertschöpfungssysteme aufzubauen.

Besonders spannend ist die Frage, wie solche Ökosysteme organisiert werden: Wer übernimmt die Führung? Wie werden gemeinsame Standards geschaffen? Und wie wird der wirtschaftliche Erfolg zwischen den beteiligten Akteuren verteilt?

Praxisrelevanz: Unternehmen müssen lernen, gleichzeitig zu kooperieren und zu konkurrieren. Die Fähigkeit, externe Partner zu integrieren und gemeinsame Innovationen zu orchestrieren, wird zu einer strategischen Kernkompetenz.

 

5. Resilienz, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung

Die Innovationsforschung beschäftigt sich zunehmend auch mit der Frage, wie Unternehmen unter hoher Unsicherheit erfolgreich innovieren können. Geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche, regulatorische Veränderungen und Nachhaltigkeitsanforderungen stellen etablierte Innovationsstrategien infrage.

Unternehmerisches Handeln bedeutet deshalb nicht mehr nur, neue Marktchancen zu erkennen. Es geht zunehmend darum, unter Unsicherheit zu experimentieren, Ressourcen flexibel einzusetzen und neue Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln.

Hier spielen auch Familienunternehmen eine wichtige Rolle. Ihre langfristige Orientierung, ihre Eigentümerstrukturen und ihre Fähigkeit, über Generationen hinweg zu denken, bieten interessante Perspektiven für die Forschung.

Praxisrelevanz: Unternehmen brauchen Innovationsstrategien, die langfristige Orientierung mit kurzfristiger Anpassungsfähigkeit verbinden. Erfolgreiche Innovation entsteht nicht allein durch technologische Exzellenz, sondern auch durch unternehmerische Resilienz.

«Das Fazit dieser Entwicklungen: Wir müssen Innovation teilweise neu denken.»
Oliver Gassmann, HSG-Professor für Technologie- und Innovationsmanagement

Die fünf Entwicklungen haben eines gemeinsam: Sie verändern die grundlegenden Voraussetzungen unternehmerischen Handelns.

Besonders künstliche Intelligenz könnte einen Paradigmenwechsel auslösen. Wir stehen möglicherweise am Beginn einer Entwicklung, in der Innovation nicht mehr ausschliesslich durch menschliche Kreativität und Zusammenarbeit entsteht, sondern zunehmend durch das Zusammenspiel menschlicher und künstlicher Intelligenz. Innovation wird demokratischer, schneller und autonomer – aber ihre erfolgreiche Organisation wird anspruchsvoller.

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