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Die HSG zählt im Bereich Forschung zu Innovation und Entrepreneurship weltweit zu den führenden Universitäten. Das zeigt ein kürzlich veröffentlichtes Forschungsranking. Dieser Text zeigt fünf Entwicklungen auf, die Innovation und Entrepreneurship sowie die Forschung dazu gerade verändern.
Die wohl fundamentalste Veränderung entsteht durch sogenannte KI-Agenten. Während bisherige KI-Systeme primär Menschen bei ihren Aufgaben unterstützen, können agentenbasierte Systeme zunehmend selbstständig Ziele verfolgen, Entscheidungen vorbereiten, Experimente durchführen und Aufgaben koordinieren.
Damit verändert sich auch unser Verständnis von Innovation. Traditionell galt Innovation als genuin menschlicher Prozess, geprägt von Kreativität, Erfahrung und Intuition. Künftig werden KI-Agenten eigenständig neue Lösungsansätze entwickeln, tausende Varianten simulieren und vielversprechende Innovationen systematisch weiterentwickeln.
Für die Forschung stellt sich eine grundlegende Frage: Wie verändert sich Innovation, wenn nicht mehr ausschliesslich Menschen, sondern zunehmend auch intelligente Maschinen als Innovationsakteure auftreten?
Praxisrelevanz: Unternehmen müssen lernen, nicht nur KI-Werkzeuge einzusetzen, sondern ganze Innovationsprozesse neu zu organisieren. Dabei entstehen neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Menschen und autonomen KI-Systemen.
Technologische Überlegenheit allein garantiert längst keinen wirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend ist zunehmend, wie Unternehmen mit neuen Technologien Wert schaffen und diesen wirtschaftlich abschöpfen.
Die Geschäftsmodellinnovation entwickelt sich deshalb zu einem zentralen Forschungsfeld. Besonders interessant ist derzeit, wie künstliche Intelligenz traditionelle Geschäftsmodelle verändert. Wenn beispielsweise KI-Agenten Dienstleistungen autonom erbringen, entstehen völlig neue Möglichkeiten der Leistungserstellung und Bepreisung.
Zugleich verschwimmen die Grenzen zwischen Produkten, Dienstleistungen und digitalen Plattformen. Unternehmen verkaufen zunehmend nicht mehr nur Produkte, sondern Verfügbarkeit, Leistung oder konkrete Ergebnisse.
Praxisrelevanz: Für etablierte Unternehmen wird die Fähigkeit, ihr eigenes Geschäftsmodell immer wieder infrage zu stellen, zu einer entscheidenden Kompetenz. Gerade die Schweizer Industrie verfügt hier über grosse Chancen, ihre technologischen Stärken mit neuen Geschäftsmodellen zu verbinden.
Künstliche Intelligenz senkt die Eintrittsbarrieren für Unternehmensgründungen erheblich. Aufgaben, für die früher ganze Teams erforderlich waren, können heute teilweise durch einzelne Unternehmerinnen und Unternehmer mit Unterstützung intelligenter Systeme übernommen werden.
Das betrifft die Softwareentwicklung ebenso wie Marktforschung, Produktdesign, Marketing oder administrative Prozesse.
Dadurch entsteht eine neue Generation von Start-ups, die mit deutlich weniger Kapital und Personal auskommen und dennoch internationale Märkte adressieren können.
Für die Entrepreneurship-Forschung ergeben sich spannende Fragen: Welche Ressourcen benötigen erfolgreiche Gründer künftig tatsächlich? Wie verändern sich unternehmerische Kompetenzen? Und welche Wettbewerbsvorteile bleiben bestehen, wenn technologische Fähigkeiten immer leichter zugänglich werden?
Praxisrelevanz: Der Zugang zu Kapital und Personal könnte für bestimmte Geschäftsmodelle an Bedeutung verlieren, während Geschwindigkeit, Kundenzugang, proprietäre Daten und unternehmerisches Urteilsvermögen wichtiger werden.
Innovation entsteht immer seltener innerhalb der Grenzen eines einzelnen Unternehmens. Neue Lösungen entwickeln sich durch die Zusammenarbeit von Unternehmen, Startups, Hochschulen, Technologieanbietern und Kunden.
Die Forschung beschäftigt sich deshalb intensiv mit Innovationsökosystemen und Plattformen. Dabei geht es nicht nur darum, Wissen auszutauschen, sondern gemeinsam neue Wertschöpfungssysteme aufzubauen.
Besonders spannend ist die Frage, wie solche Ökosysteme organisiert werden: Wer übernimmt die Führung? Wie werden gemeinsame Standards geschaffen? Und wie wird der wirtschaftliche Erfolg zwischen den beteiligten Akteuren verteilt?
Praxisrelevanz: Unternehmen müssen lernen, gleichzeitig zu kooperieren und zu konkurrieren. Die Fähigkeit, externe Partner zu integrieren und gemeinsame Innovationen zu orchestrieren, wird zu einer strategischen Kernkompetenz.
Die Innovationsforschung beschäftigt sich zunehmend auch mit der Frage, wie Unternehmen unter hoher Unsicherheit erfolgreich innovieren können. Geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche, regulatorische Veränderungen und Nachhaltigkeitsanforderungen stellen etablierte Innovationsstrategien infrage.
Unternehmerisches Handeln bedeutet deshalb nicht mehr nur, neue Marktchancen zu erkennen. Es geht zunehmend darum, unter Unsicherheit zu experimentieren, Ressourcen flexibel einzusetzen und neue Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln.
Hier spielen auch Familienunternehmen eine wichtige Rolle. Ihre langfristige Orientierung, ihre Eigentümerstrukturen und ihre Fähigkeit, über Generationen hinweg zu denken, bieten interessante Perspektiven für die Forschung.
Praxisrelevanz: Unternehmen brauchen Innovationsstrategien, die langfristige Orientierung mit kurzfristiger Anpassungsfähigkeit verbinden. Erfolgreiche Innovation entsteht nicht allein durch technologische Exzellenz, sondern auch durch unternehmerische Resilienz.
Die fünf Entwicklungen haben eines gemeinsam: Sie verändern die grundlegenden Voraussetzungen unternehmerischen Handelns.
Besonders künstliche Intelligenz könnte einen Paradigmenwechsel auslösen. Wir stehen möglicherweise am Beginn einer Entwicklung, in der Innovation nicht mehr ausschliesslich durch menschliche Kreativität und Zusammenarbeit entsteht, sondern zunehmend durch das Zusammenspiel menschlicher und künstlicher Intelligenz. Innovation wird demokratischer, schneller und autonomer – aber ihre erfolgreiche Organisation wird anspruchsvoller.

Buch
Neue Geschäftsmodelle lassen sich auf eine Kombination von 66 bekannten Mustern zurückführen. Der Business Model Navigator vereint diese Muster, kategorisiert sie anhand der vier Dimensionen: Wer? (die Kunden), Was? (das Nutzenversprechen), Wie? (die Wertschöpfungskette) sowie Wert? (Ertragsmechanik). So entwicklen Sie spielerisch Ihr eigenes Geschäftsmodell.

Podcast
Podcast mit spannenden Gästen zu AI, Buildern und Forschern. Es werden die kritischen Fragen gestellt, welche ein tieferes Verständnis dieser Schlüsseltechnologie hinsichtlich Technologie, Business und Gesellschaft ermöglicht.